Ein kurze Anleitung mit Hass umzugehen

Was war passiert?

Die Bundesregierung hatte zum Ramadan gratuliert, daraufhin ergoss sich ein tiefbrauner Shitstorm besorgter Bürger. Ich habe mich in einem Statement auf Facebook über all den Hass beschwert und meiner Meinung nach ziemlich sachlich und ruhig darüber echauffiert, dass Hass und Rassismus zu völlig normalen rhetorischen Mitteln in Diskussionen geworden sind, getreu dem Motto:

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Das Thema ist nicht neu, es darf aber auch nie alt werden. Der Post erreichte eine große Aufmerksamkeit und viel Zustimmung, so dass Bento mich hierzu interviewte. Das Interview wurde auf Bento und Spiegel Online, sowie über deren soziale Kanäle veröffentlich. Was dann passierte, kann man sich in seinen kühnsten Träumen nicht ausmalen. Quatsch. Natürlich kann man das. Es passiert jede Sekunde auf Facebook und Twitter: Hass.

Trotzdem möchte ich von einigen Beispielen auf meiner Seite berichten. Was auf der Facebookseite vom Spiegel Online passiert ist, spare ich aus, da könnte einem der Kopf explodieren.

Andreas Schmersal Nicht jeder kritische Kommentar ist ein hasskommentar. Und nicht jeder kritische Kommentar ist wirr. Was aber stimmt: Sie sind kein Deutscher. Mit unserem Steuerrecht hat das aber nichts zu tun. Sie dürfen in diesem großartigen Land leben, also haben Sie verdammt nochmal die Pflicht Ihre Steuern hier zu bezahlen. Und wenn ihnen das nicht passt: es gibt tägliche Flüge zurück nach Teheran.

Gunnar Witzmann Michel Adollahi““Herr Gauland, vielleicht sollten sie mal mit Dr. Frauke Petry in eine Diktatur fahren und schauen, wie es da wirklich ist.“ Bevor Sie sich über Andere äussern, sollten Sie sich informieren. Sie haben mit 5 Jahren eine Diktatur eher am Rande erlebt. Frauke PETRY (AfD) ist im Gegensatz zu Ihnen in einer Diktatur (DDR) als Christin aufgewachsen. Weniger Arroganz und mehr Information vor dem Denken, würde Ihnen gut stehen. Was ich Ihnen noch sagen will: „Der Islam gehört nicht zu Deutschland“ Jetzt können Sie mir die Gründe nennen, weshalb der Islam (welcher ?) zu Deutschland gehört. Ja es gibt sehr viele gut integrierte Muslime, die ihren Glauben privat leben.

Howard Starke Bitte gehen sie in den Iran zurück und stellen sich mit einem Schild auf die Straße “ ich bin Christ was wollen sie mir sagen „10 min. später läuft ein Salafist mit deinem abgeschlagenem Kopf grölend durch die gegend das ist die Wahrheit.Ich bin dafür hier allen Muslime die Rechte einzuräumen die sie den Christen in ihrem Herkunftsland zugestehen .

Florian Thomas Hofmann Ihre Kritik geht an der Sache vorbei. Wenn hier die Bundesregierung kritisiert wird, dann weil sie Muslimen etwas wünscht, was sie Christen nicht gönnt, einen #gesegneten Feiertag, stattdessen gibt es nur #frohe Weihnachten. Das ist ein andere Qualität. Das sind keine „Synonyme“. „Segenswünsche“ sind explizit religiöse Wünsche – anders als „frohe“, „gute“, „schöne“ … Mit dem Segenswunsch drücken die Wünscher bzw. Grüßer aus, daß sie die Religion und die Bedürfnisse des Adressaten ausdrücklich ernst nehmen. Da dies bei christlichen Festen nicht eben so praktiziert wird, muß man davon ausgehen, daß diese den Wünschenden nicht so wichtig sind und weniger ernst genommen werden.

Михаэль Жилдэ Verschwinden Sie und ihre Glaubensbrüder aus unserem Deutschland! Der Islam gehört nicht nach Deutschland und auch nicht nach Europa! Haut ab!!

Meine Seite, meine Regeln. Wer sich nicht daran hält, wird gesperrt. Ich zähle niemanden an, ermahne nicht und gebe auch keine zweite Chance. Rassismus, Gewaltaufrufe und Hass haben bei mir nichts zu suchen und ich setze mich auch mit diesen Leuten nicht auseinander.

Zwei waren besonders hartnäckig. Der erste hat mich so oft in seinen pseudo-wissenschaftlich und wirren Gedanken markiert, so dass Facebook ihn für mich schon als Spam eingestuft hat. Daraufhin habe ich ihn gesperrt. Es folgte ein empörte E-Mail:

Sehr geehrter Herr Michel Abdollahi und ihr Team,

ist schon erbärmlich, wenn man einen Kommentar auf ihrem FB-Profil löschen muss oder in anderer umgangssprache zensiert der weder rassistisch noch hetzerisch war.

Wenn man sich nicht mit kritischen oder negativen Kommentaren, die weder rassistisch noch hetzerisch waren auseinandersetzen will, sollte man sich kein öffentliches Facebookprofil erstellen.

Und nochmal zu meinem Kommentar, wieso wurde der Kommentar von dem einen Herren gelöscht der nur schrieb dass sie juristisch ein deutscher sind oder wie sie es selbst ausgedrückt haben Papierdeutscher sind?

Mein Kommentar auf ihrem FB-Profil der ja diese Frage beinhaltete, wurde ja auch von ihnen oder ihrem Team gleich gelöscht und ich wurde für weitere Kommentare, auf ihrem Profil gesperrt und ich stelle die Frage warum?

Hab wie schon oben erwähnt nix rassistisches oder hetzerisches geschrieben.

Ach ja bekomme ich von ihnen keine Antwort, werde ich mich an den NDR wenden mit dem Screenshoot vom gelöschten Kommentar.

Ein Zwitterwesen. Erst kommentiert er als Mann, wir gesperrt und verwandelt sich dann in eine Frau. Aber ansonsten alles normal.

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Hui, da habe ich jetzt aber richtig Angst. Was wird der NDR wohl machen? Klapps aufn Po? Jetzt war ich vollends sicher: solche Menschen gehören aus dem Verkehr gezogen.

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Kommen wir zum Kern der Sache

Ich werde häufig gefragt, wie soll ich auf solche Menschen reagieren? Hier ein Beispiel:

Kandidat Nummer Zwei wurde ebenfalls gelöscht, nachdem er offenkundig rassistisch wurde, es aber anscheinend selbst gar nicht erkennt. Auch er schreib uns an:

Sehr geehrter Herr Oschatz, sehr geehrter Herr Abdollahi,

Gerade sind meine Beiträge von Herrn Abdollahis Facebook-Seite verschwunden und ich wurde blockiert. Mich würde wirklich interessieren warum? Bin ich so ein schlimmer Finger? Kann ich mit vor dem Hintergrund anderer Kommentare kaum vorstellen.

Respekt und beste Grüße aus Mumbai

Ich habe darauf geantwortet:

Guten Tag,

wir sperren Personen und löschen Kommentare wenn Sie gegen die Netiquette verstoßen. In Ihrem Fall:

“Diskriminierung und Diffamierung anderer Nutzer und sozialer Gruppen aufgrund ihrer Religion, Herkunft, Nationalität, Behinderung, Einkommensverhältnisse, sexuellen Orientierung, ihres Alters oder ihres Geschlechts sind ausdrücklich nicht gestattet.”

Ihr Kommentar verstößt gegen diesen Punkt:

“Die afghanisch-muslimische Kultur zum Beispiel ist sicherlich weniger Wert als die deutsch-westliche Kultur auf christlicher Grundlage.”

Solche Kommentare und Meinungen haben bei uns nichts zu suchen.

Mit freundlichen Grüßen

Michel Abdollahi & Robert Oschatz

Der Mann lässt aber nicht locker und dann passiert etwas, was die neue Rechte, der besorgte Bürger und allerlei andere Frustrierte und Abgehängte gerne machen: Sie denken, dass Sie Argumente vortragen.

Sehr geehrte Herren,

zunächst vielen Dank für Ihre Antwort.

Ich habe mich zum ersten Mal auf Facebook an solch einer Duskussion beteiligt, und nun bin ich gleich herausgeflogen. Damit muss ich wohl leben. Sie haben das Hausrecht.

Unterschiedlichen Kulturen einen höheren oder niedrigeren Wert zuzubilligen, fällt für Sie unter Diskriminierung und Diffamierung. Dies ist für mich nicht nachvollziehbar.

Ich war oft im Iran und habe mit Iranern darüber diskutiert, inwieweit die islamische Revolution die iranische Kultur zerstört, also ihren Wert gemindert hat. Eine Diskussion, die bei Ihnen nicht erlaubt wäre?

Derzeit wohne ich in Indien. Wir diskutieren hin und wieder darüber, ob und wie der islamische und britische Einfluss Indien und seiner Kultur geschadet hat. Für Sie ist dies nicht diskutabel?

Die Kultur Nazideutschlands war aus meiner Sicht weniger Wert als die Nachkriegskultur der Bundesrepublik. Eine Meinung, die bei Ihnen nicht erlaubt wäre?

Herr Abdollahi, wie gesagt ich war oft im Iran und werde vielleicht, so mein Arbeitgeber sich entsprechend entscheidet, ab August für die nächsten drei Jahre dort arbeiten. Ich habe dort viele Menschen getroffen, mit denen eine offenen Diskussion möglich war und hoffentlich auch in Zukunft möglich sein wird, trotz staatlicher Repression. Sie kann ich im Moment nicht zu diesen Menschen zählen.

Ein linker Anarchist, Noam Chomsky, hat zur Unterdrückung der Redefreiheit eines Holocaustleugners mal folgendes gesagt: „It is a poor service to the memory of the victims of the holocaust to adopt a central doctrine of their murderers.“

Was ist an einer solchen Aussage im Deutschland von heute eigentlich so mutig? Wovor haben Sie Angst? Vor all den Antimodernen, ob autochthon oder allochthon, die Ihren Schritt der Überwindung der alten Dinge nicht gehen wollen und werden?

Ich befürchte, dass all die gesinnungs- und sprachpolizeilichen Maßnahmen in Deutschland, von denen Sie ein Teil zu sein scheinen, grandios nach hinten losgehen werden. Hoffentlich habe ich Unrecht.

Mit freundlichen Grüßen aus Mumbai

Meine abschließende Antwort, die ich mir im Laufe der Jahre aus verschiedenen Antworten und Argumenten anderer zusammengesucht habe, um solche Fälle zu beenden.

Guten Tag,

danke für Ihre E-Mail, die deutlich unterstreicht, dass Sie zu Recht gesperrt worden sind. Es ist völlig indiskutabel, Menschen und ihre Kultur in verschiedene Kategorie einzuteilen. Da spielt es auch herzlich wenig eine Rolle, ob Sie in Indien, dem Iran oder auf dem Mond leben. Dazu können Sie noch zig weitere pseudowissenschaftliche Argumente hervorbringen, es bleibt was es ist, nämlich Rassismus. Wenn Sie es selbst nicht erkennen, dann machen wir das hier für Sie sichtbar. Ihre Taktik nennt sich übrigens Themenhopping: Statt sich damit auseinanderzusetzen, dass Ihre Aussage als rassistisch eingestuft werden könnte, werfen Sie ständig neue Behauptungen in den Raum und vereinen diese mit Ihrer subjektiven Wahrnehmung. So lässt sich nicht mit Ihnen diskutieren.

Auch Begriffe wie “gesinnungs- und sprachpolizeiliche Maßnahmen” entlarven Sie. Ich würde niemals mit Menschen diskutieren, die andere Kulturen als weniger Wertvoll erachten, ich würde Sie vor die Tür setzen. Und da sind wir auch schon beim Punkt:

Den Medien wird in diesem Zusammenhang häufig vorgeworfen, sie würden zensieren und die Meinungsfreiheit behindern. Das stimmt nicht. Das Eingreifen, durch beispielsweise Löschen und Blocken einzelner Kommentare und Personen bei heiklen Themen geschieht zum Schutz aller Nutzer. Das Löschen von Beiträgen, die gegen unsere Netiquette verstoßen, ist keine Zensur – es ist unsere Pflicht. Das in diesem Kontext, insbesondere und ironischerweise von den problemverursachenden Personen eingeforderte „Recht auf freie Meinungsäußerung“ greift hier nicht: Jeder kann zwar, sofern er nicht gegen Gesetze verstößt, frei nach Artikel 5 des Grundgesetzes seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei äußern und verbreiten. Niemand hat allerdings ein Recht darauf, dass seine Meinung überhaupt oder noch dazu in einem bestimmten Medium publiziert wird. Es steht jeder Redaktion frei Kommentare zu veröffentlichen – oder eben nicht. Zum Glück: Sonst wären renitente Minderheiten in der Lage, ganze Medien für ihre Zwecke zu vereinnahmen. Das wäre wirklich eine Katastrophe und würde grandios nach hinten losgehen.

Sie haben jederzeit die Möglichkeit Ihre Meinung in Mumbai aus dem Fenster rauszurufen.

Bitte machen Sie sich nicht die Mühe hierauf zu antworten. Wir werden es weder lesen noch bearbeiten.

Mit freundlichen Grüßen

Michel Abdollahi

Was will uns der Autor damit sagen?

Entlarven gelingt auf der sachlichen Ebene am besten. Es ist zwar mühsam sich mit diesen Menschen auseinanderzusetzen, aber wenn ich selbst fordere, dass man mir argumentativ begegnen soll, dann sollte ich mir zumindest die Mühe machen, es mit diesen Freaks auch zu versuchen, auch wenn ich am Ende immer wieder enttäuscht werde. Ich bin überzeugt die einzige Waffe mit der diese Bewegung einzudämmen ist, sind Argumente und Hartnäckigkeit. Wenn wir nicht weiter deeskalieren, wird die Enthemmung dazu führen, dass immer mehr Brandsätze fliegen.

Es ist wichtig, diese Meinung immer wieder öffentlich zu machen. Wir reden nicht von einigen Fehlgeleiteten und Trollen, sondern von einer flächendeckend schleichenden Akzeptanz in verschiedenen Teilen der Bevölkerung.

Ich bedanke mich bei den abertausenden positiven Kommentaren und Nachrichten, die ich in den letzten Tagen bekommen habe. Das gibt mir den Mut auch weiterhin auf Rassismus, Ablehnung und Diskriminierung, ganz gleich gegen wen, aufmerksam zu machen.