Sie betreiben Whataboutism, das zieht bei mir nicht! – Rhetorik für Anfänger, Rechtsradikale und Trolle

Heute wieder: Die AfD Hamburg

Was ist passiert?

Ich habe hier einen Fall von Rassismus in Bautzen besprochen. Auszug:

AfDSpon.png

 

 

 

 

 

 

Das passt der AfD Hamburg aber nicht! Die Reaktion kam prompt via Twitter:

 

14963163_1204573226276813_7152110840948472789_n.jpg

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Abgesehen davon, dass das Erbärmlich und sehr traurig ist, besprechen wir trotzdem für alle die es nicht wissen kurz sachlich was die AfD hier macht:

Die AfD betreibt hier Whataboutism.

Whataboutism ist sehr alt. Heute kennt man es insbesondere aus Zeiten des Kalten Krieges, wo die Sowjetunion Kritik an Missständen im eigenen Land mit Gegenfragen abfederte.

Die Rhetorik bediente sich des sogenannten Tu quoque-Arguments (Du auch-Argument):

 „Du solltest mehr Sport treiben!“

„Du treibst doch selbst auch gar keinen Sport!“

Was macht hier also die AfD? Beispiel von Whataboutism:

 (A)merikanischer Präsident: „Ihr Nazis seid böse. Ihr habt die Juden ermordet. Das ist ein Verbrechen und muss bestraft werden!“

(B)öser Nazi: „Wie können die Amerikaner den Nazis die Judenvernichtung vorwerfen, wo sie doch selber die Indianer ausgerottet haben?“

Dieses Argument dient der Abwehr moralischer Angriffe. B wirft dem Gegner A, der einem wegen der Tat X Vorwürfe macht, vor, dass er genau dasselbe getan habe. Das Prinzip: Wer selber X tut, hat kein Recht uns X vorzuwerfen, folglich ist sein Vorwurf damit erledigt, widerlegt, nicht ernst zu nehmen. Stattdessen wird die Behauptung des Gegners zum Anlass genommen, um ihn selbst direkt zu tadeln und somit unabhängig von der speziellen Sachfrage zum Schweigen zu bringen. Das ist Falsch. Wenn man selbst auch etwas Falsches macht, heißt das nicht, dass die kritisierte Tat dadurch weniger falsch wird¹.

Diese ominöse „Verteidigungsstrategie“ dient lediglich dazu, das eigene Fehlverhalten oder das Fehlverhalten des eigenen Lagers kleinzureden. Mit perfiden Gegenfragen wird von den echten Problemen und den eigenen Taten abgelenkt, indem man u.a. die Opfer der anderen Seite dafür missbraucht. Eine sehr beliebte Strategie der AfD.

Wie knacke ich diesen Blödsinn?

Entweder sachlich:

Ja, andere machen auch Fehler, das heißt doch nicht, dass es Ihnen das Recht gibt, genauso zu handeln.

Oder etwas rabiater und eindringlicher:

Pass mal auf Afd Hamburg. Sie betreiben hier Whataboutism. Das ist mega uncool und schwach. Hören Sie auf Nebelkerzen zu werfen, das zieht bei mir nicht. Menschen in Bautzen haben so lange auf Busscheiben mit Flüchtlingskindern gehauen, bis die Kinder im Bus anfingen zu weinen. Das ist falsch. Das ist pervers. Das ist eklig. Es hat nichts mit der Antifa zu tun. AfD Hamburg, hören Sie auf abzulenken, zu verwischen und die Schuld immer bei anderen zu suchen. Auf diese schlechten rhetorischen Spielchen fällt keiner mehr rein. Ich zumindest nicht.

—–

¹Dazu lesenswert und ausführlich:

Prof. Dr. Hubert Schleichert – „Wie man mit Fundamentalisten diskutiert, ohne den Verstand zu verlieren: Anleitung zum subversiven Denken“

Advertisements