Alles Lügen! Hetze im Netz und wie man dagegen vorgehen kann

Cambridge Analytics und Trump oder die Tagesschau und der Mord in Freiburg. Je nach Facebook-Blase gab es in den letzten Tagen an den Themen kein Vorbeikommen. Jeder hat zu allem wieder eine Meinung, was nicht schlimm wäre, wenn die Meinungen etwas differenzierter wären. Die Ebene der Sachlichkeit haben wir in den sozialen Netzwerken aber längst aufgegeben, es geht nur noch um Erklärungen, die für einen selbst Sinn ergeben, egal ob links oder rechts. Wie konnte Trump bloß Präsident werden? Big Data! Da haben wir es schwarz auf weiß, endlich! Und warum vertuscht die Tagesschau den Mord an einer Freiburger Studentin durch einen Flüchtling? Lügenpresse! Jetzt ist es amtlich, auch die Achtuhrnachrichten machen mit!

Sicher ist an beidem etwas dran, wobei für mich natürlich etwas mehr an Cambridge Analytics als dem Vorwurf gegenüber der Tagesschau, aber wir leben ja auch jeder in der Blase, die wir uns ausgesucht haben und die eigene Blase hat selbst bei sehr differenziert denkenden Menschen doch eher ein bisschen mehr recht als die Gegenseite.

Hobbymedien wie Stern & Co. werfen sich jetzt auf diese Nachrichten und versuchen sie zu zerpflücken. An der Big Data Geschichte sei nichts dran! Fakt! Haha, alle drauf reingefallen. Endlich trifft es auch mal die schlauen Linken! Und die Tagesschau soll gefälligst über den Mordfall berichten, uns doch egal was ihr Leitlinien sagen. Wir haben darüber berichtet und jetzt müssen es alle anderen auch machen. Der Stern-Redakteur für Unterhaltung(!) Jens Maier schreibt dazu in bester Afd-Manier:

„Der Fall bewegt ganz Deutschland. Doch als am Samstag die Freiburger Polizei im Mordfall Maria L. einen Verdächtigen präsentiert, schweigt die „Tagesschau“ um 20 Uhr dazu. Die Begründung ist absurd – und leistet dem Vorwurf der Lügenpresse Vorschub.“

(http://tinyurl.com/hxxzc6z)

Als kleiner Hinweis an Herrn Maier: Laut meiner Timeline bewegt aber gerade Big Data ganz Deutschland (http://tinyurl.com/zyqpzye). Warum berichtet die Tagesschau nicht darüber? Ganz klar: Die Tagesschau will  uns klein und unwissend halten, um so selbst 2017 Bundeskanzler zu werden. Lügenpresse.

Entscheidender Unterschied bleibt aber, dass bei wir bei Big Data die Möglichkeit haben zu forschen und zu analysieren, was und wie viel an der Sache stimmt. Die Nachricht gefährdet niemanden, sie hilft uns zu verstehen und Schlüsse daraus zu ziehen, ganz gleich ob es nun wirklich an Big Data lag oder nicht. Ob es sich bei der Sache letztendlich auch um sogenannte „Fake-News“ handelt, die jetzt mal „die andere Seite“ getroffen haben, spielt keine Rolle, denn die Sache ist nicht ganz vor der Hand zu weisen. Dass die sozialen Netzwerke mittlerweile eine große Rolle in unserer Entscheidungsfindung spielen, Datenanalyse und –missbrauch mit zu den beherrschenden Themen unserer Zeit geworden sind und wir uns mit dieser Thematik viel zu wenig beschäftigen, steht außer Frage. Ob nun wahr oder nicht, der Artikel lässt uns nachdenken.

Bei der Tagesschau ist die Analyse aber schnell am Ende:

„Die „Tagesschau“ berichte nur „sehr selten über einzelne Kriminalfälle“, erklärte ARD-aktuell-Chefredakteur Kai Gniffke.“

Es gibt keine Systemmedien, niemand versucht hier etwas zu vertuschen, nur weil ich keine Ausländer mag, heißt es nicht, dass die Tagesschau lügt. Fertig.

Die ewigen Vorwürfe von rechts, das Ausschlachten einer jeden solchen Meldung durch die AfD, die Berichterstattung des Sterns in diesem Fall, das sind die Dinge, die Menschen Flüchtlingsheime anzünden lassen, nicht der etwas schwammige Artikel zu Trumps Wahlerfolg. Während ich über Big Data sehr sachlich mit anderen diskutiert habe, ist es bei dem Lügenpressevorwurf fast ausweglos, denn diese Menschen wollen nicht sachlich diskutieren, sie wollen meckern, hetzen und sich Luft machen. Nur die eigene Meinung zählt, alles andere ist irrelevant. Diese Erkenntnis ist nicht neu, die ständigen Vorwürfe von rechts aber weiterhin gefährlich. Cambridge Analytics hin oder her, jene die die Stimmung weiter vergiften und dafür sorgen, dass sich solche Vorwürfe wie gegenüber der Tagesschau weiter verfestigen, sorgen sehr sicher dafür, dass die neue Rechte weiter erstarkt. Da braucht man Big Data erst gar nicht mehr.

Also muss etwas anderes her. Ich wurde auf etwas Aufmerksam gemacht:

Wir finden auf einer rechten Facebookseite, die den ganzen Tag Blödsinn, Lügen und Volksverhetzung postet am 30.10.16 ein Bild von Schulkindern in einer Moschee. Die Bildüberschrift dazu: „Deutsche Kinder beim Schulausflug in eine Moschee. Probebeten zu Allah inklusive.“ (http://tinyurl.com/zgjbn88)

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Was unter den hunderten Kommentaren passiert, kann man sich vorstellen. Darunter viele Fälle von offener Volksverhetzung, die allesamt strafbar sind. Nur reagiert darauf keiner mehr, weil die meisten nicht wissen wie. Mit Argumenten funktioniert es ja bekanntlich nicht mehr. Wer sich aber offen gegen andere hetzt und sich strafbar macht, sollte angezeigt werden. Die Möglichkeit gibt es jetzt auch online, insbesondere für solche Fälle im Internet, anonym und relativ unbürokratisch unter:

www.online-strafanzeige.de

Und jetzt zum wahren Kern der Geschichte, warum diese Seiten so gefährlich sind und warum die Betreiber angezeigt werden müssen. Bei dem Bild der Schulkinder handelt es sich um einen Besuch von niederländischen Kindern in Ghulzar-e-Madina Moschee in Zwolle am 30.10.14 im Rahmen einer Projektarbeit. Nach eigenen Angaben war dieser Besuch völlig zwanglos und es bestand auch keinerlei „Islamunterverwerfungspflicht”, sondern um einen gelassenen Tag, an dem die Kinder einen Einblick in den Glauben nehmen konnten. (http://tinyurl.com/hrq42qy und http://tinyurl.com/j3h82uo)

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Wir müssen diese Hetze eindämmen. Die Leute sind nämlich oft nicht einfach schlecht, wie Renate Künast erst kürzlich aufzeigte, indem sie Menschen unangekündigt besuchte, die sie im Netz auf das grässlichste beschimpften (http://tinyurl.com/hu65bmx). Das Ergebnis war für viele überraschend. Die Leute haben sich nämlich geschämt, als Renate Künast sie mit ihren Kommentaren konfrontierte, als sie ihnen die widerlichen Worte selbst vorlas, als der Familienvater aus gutbürgerlichen Verhältnissen sich bewusst wurde, was er getan hatte. Das passiert oft.

Gegen Big Data sind wir machtlos. Aber nicht gegen solche Hetzseiten. Solche Quellen, wie diese Facebookseite müssen abgeschnitten werden, notfalls mit der gesamten Härte der Justiz, nicht mit Kopfschütteln und Betroffenheit. Dann besteht zumindest die Chance, dass diese neue Enthemmung auch langsam wieder verschwindet. Wir müssen der Enthemmung gegenüberstehen und diesen Leuten unmissverständlich zeigen, dass das was sie da machen, keine freie Meinungsäußerung ist, sondern Straftatbestände unserer Gesetzgebung und wenn sie es nicht kapieren, dann erklärt es ihnen halt der Richter nochmal ganz langsam.

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